Der Kasperl protestiert

Der Kasperl protestiert

Lange war rein gar nichts zu hören, wie es mit der Kultur in diesen Corona-Zeiten weitergehen soll. VBAT-Mitglied Kasperls Spuikastl war es leid, dass Kleinkunst wie etwa Puppentheater ständig unterschätzt und übersehen wird, während Autolobby, Fußball-Ligen und andere „Systemrelevante“ bevorzugt werden, weil sie lauter schreien und besser mit der Politik vernetzt sind! In einem Protestschreiben haben Traudl und Peter Schröder, die Betreiber von Kasperls Spuikastl, zum Ausdruck gebracht, dass sie eine Perspektive für Lockerungen im Kleinkunstbereich vermissen und dass der Kasperl sauer ist, weil offenbar alles andere wichtiger ist. Diesen Protest des Kasperls (http://www.kasperlsspuikastl.de/dokumente/Kasperl%20protestiert.pdf) haben sie am 8. Mai an die Bayerische Staatsregierung und das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gesandt. Tags darauf ging der Protest dann auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel und an den Kulturrat als Reaktion auf Merkels Video-Botschaft vom 9. Mai zum Thema Kultur https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/mediathek/videos/merkel-sichert-kulturschaffenden-unterstuetz.... Der darin enthaltenen Aussage, dass das Überleben der Kulturschaffenden ganz oben auf der politischen Prioritätenliste stehe, haben die beiden Puppenspieler dabei entschieden widersprochen.
Den Protest des Kasperls hat Kasperls Spuikastl unter anderem auch im Bezirk Figurentheater verteilt und damit andere animiert, sich anzuschließen.
Inzwischen gibt es seit der Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder zu Kunst und Kultur am 14. Mai (https://youtu.be/9zf-x75-YOQ) zwar einen kleinen Silberstreif am Horizont. Konkrete Aussagen dazu, wann genau und unter welchen Rahmenbedingungen Auftritte für uns Puppentheater wieder möglich sein werden, sind aber wohl nicht vor der Ministerpräsidentenkonferenz am 20. Mai zu erwarten.

Der Kasperl protestiert:
"Die Fußball-Liga kriegt eine Extrawurscht! Die unverfrorenen Kaufprämien-Forderungen der Automobilkonzerne, die zuvor bei Dieselautos dreist betrogen haben, sind Thema von Autogipfeln und Arbeitsgruppen! Der Einzelhandel darf in Kürze wieder ohne Quadratmeterbegrenzung öffnen. Und auch Gastronomie und Hotels haben endlich eine Perspektive, nachdem man sie zuvor fast hat bankrottgehen lassen. WAS ABER IST MIT DER KLEINKUNST? Was ist mit all den Kabarettisten, Comedians, DJs, kleinen Musikgruppen, Volksmusikgruppen, Privat- und Laientheatern? Und was ist mit uns Figuren- und Puppentheatern? Sind wir den Politikern und Politikerinnen wirklich so vollkommen egal? Offensichtlich! Es zeigt sich: Wer seinem Publikum das Leben spielerisch und mit Humor näher bringen will, dabei Optimismus vermittelt und die Freude am Leben, wer seinem Publikum einfach eine schöne Zeit machen will (und das alles meist nur für ein paar Euro als Gage), der ist nicht systemrelevant, der fällt durch alle Raster und ist den politischen Entscheidern wurscht!
Seit Beginn der ganzen Eierei um Lockerungen der Corona-Beschränkungen warten wir darauf, einmal etwas über Perspektiven für die Kulturschaffenden zu hören. Uns als Kasperltheater geht es dabei weniger um die großen, aus Steuermitteln finanzierten Schauspiel- oder Opernhäuser. Nicht dass wir uns falsch verstehen – die sind natürlich auch wichtig! Aber Bühnen wie die unsere treten meist in kleinerem Rahmen auf und das, ohne am öffentlichen Tropf zu hängen. Unsere eigenen regelmäßigen Spielstätten sind Wirtshäuser, Biergärten und ein kleines privat finanziertes Museum. Aber was ist mit uns „Kleinen“? Nichts hören wir: nichts auf der Pressekonferenz der Bayerischen Staats-regierung am 5. Mai! Und auch nicht viel mehr als nichts am 6. Mai auf der Pressekonferenz der Bundeskanzlerin!
Wir brauchen eine Perspektive! LASST UNS ENDLICH WIEDER AUFTRETEN!"

Quelle: Traudl Schröder

Direktlink zum Artikel: https://www.amateurtheater-bayern.de/index.php?modul=news_show&id=627